im Uhrzeigersinn:

Videofeedback 1994.

Cutterin Maria Baumann am Schneidetisch, 1963, Fernseh-Archiv des ORF, Bildarchiv Austria.

Zeitgeschichte aus der Nähe. Teil 2: 1938-1945, ORF 1962, ORF-Archiv.

Home-Video, Gänserndorf, 1989 (vermutlich).

Medien und Zeitgeschichte

Die Medialisierung von Politik und Gesellschaft im 20. und 21. Jahrhundert erfordert eine breite und vielfältige Auseinandersetzung der Zeitgeschichtsforschung mit Medien und sich verändernden historischen Medienkonstellationen. Die Vertiefung von Wissen zum Zusammenhang von Medien und Zeitgeschichte und die Vermittlung kritischer Medienkompetenz sind daher wichtige Bestandteile zeitgeschichtlicher Forschung und Lehre am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Der kritische Diskurs von Zeitgeschichte und Öffentlichkeit ist uns ein Anliegen, ebenso wie eine zeithistorisch orientierte und medientheoretisch basierte Reflexion sich verändernder Öffentlichkeiten im Zeichen der Digitalisierung des 21. Jahrhunderts.

Der Schwerpunkt Medien und Zeitgeschichte baut auf den bisherigen Forschungen und Lehrtraditionen des Wiener Instituts auf und kooperiert vielfältig mit dem Schwerpunkt Visuelle Zeit-und Kulturgeschichte.
Dazu zählt ein österreichspezifisches Profil in Verbindung mit einer international ausgerichteten und vernetzten Forschung im Feld der Audio/Visual History. In methodisch offener und disziplinenübergreifender Weise werden Repräsentationen von Geschichte, die Geschichte von Einzelmedien und die Geschichtsmächtigkeit von Medien in konkreten nationalen, regionalen und globalen zeithistorischer Kontexten bearbeitet. Zeithistorische Analysen von Fotografien, Fernsehprogrammen, Filmen und Videos machen deren Bedeutung für Erinnerungskulturen und Geschichtspolitiken deutlich. Auch die »neuen« digitalen und interaktiven Medien und Kommunikationstechnologien werden von der Zeitgeschichte in Hinblick auf kultur-, technik-, geschlechter- und politikgeschichtliche Fragestellungen untersucht. Medien-Amateur*innen kommen gerade in den letzten Jahren vermehrt als historische Akteur*innen in den Blick. Der ‚Einsatz’ von Medien im privaten Bereich ist Teil des Wandels von Technologien des Selbst im späten 20. Jahrhundert. Demokratisierungs- und Empowermentpotenziale kollektiver und individueller Medienpraktiken ebenso zu fokussieren wie Medien als Agenten von Partizipation, Ausschluss, Überwachung, Identitätsbildung, (Selbst-)Optimierung oder Community-Bildung zu untersuchen, ermöglicht ein kritisches Verständnis der großen Transformationsprozesse des 20. und 21. Jahrhunderts. Eine Perspektive auf Medien als Wissenstechnologien begreift diese sowohl als Bedingung und als Produkt historischer Prozesse der Herstellung von Wissen und bietet damit enge Verknüpfungen zu Forschungsgebieten der Wissens- und Wissenschaftsgeschichte.

Das interdisziplinäre Masterstudium Zeitgeschichte und Medien bietet, ausgehend von zeithistorischen Entwicklungen und Fallbeispielen im Bereich internationaler und nationaler Medien im 20. und 21. Jahrhundert, einen wissenschaftlichen theoretisch- und praxisorientierten Zugang zu vielschichtiger und anwendbarer Medienkompetenz. Der Lehrgang vermittelt eine berufsqualifizierende Ausbildung und theoretisches wie auch praktisches Wissen im verantwortungsvollen Umgang mit Medien und der Wirklichkeit, die sie schaffen.

Bedeutende nationale und internationale Medien-Sammlungen und Medien-Archive sind an der Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte Forschung und Lehre zugänglich (u.a. die Zeitzeug_innen-Video-Datenbank des Visual History Archive VHA der University of Southern California Shoah Foundation mit über 50.000 Interviews von Zeitzeug_innen der Shoah, sowie eine Außenstelle und Recherchestation des ORF ARCHIVS oder die Austro-Dok, eine Sammlung von Medienberichten mit dem Schwerpunkt der österreichischen Innen- und Wirtschaftspolitik aus den Jahren 1979 bis 1993. Auch das sogenannte „Gaupresse“-Archiv Wien, eine Zeitungsausschnittsammlung der NSDAP-Gauleitung Wien ist sowohl physisch als auch digital einsehbar.)

 

Stand 7/2020