Im 20. Jahrhundert kamen in vielen Teilen der Welt massive Interventionen in unterschiedlicher Gestalt zum Tragen. Interventionen manifestier(t)en sich in zentralisiertem Verwaltungshandeln; in Maßnahmen des social engineering; in Integrations- und Modernisierungsoffensiven gegenüber der indigenen Bevölkerung; in Genoziden und asymmetrischer Kriegsführung; in der Technologie-, Agrar-, Energie- und Infrastrukturpolitik; und schließlich auch in Maßnahmen und Strategien der Technikfolgen-Bewältigung, wie sie etwa nach den nuklearen Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima erfolgten. All diese Faktoren haben Landschaften und lokale Identitäten grundlegend transformiert. Akteur*innen dieser Zeitgeschichte als Interventionsgeschichte waren lokal, national, überregional oder gar transnational agierende Behörden, wissenschaftlich-technische Expert*innen, Migrant*innen und die ansässige Bevölkerung. Die Beiträge der Tagung fragen zum einen nach der räumlichen Reichweite von Interventionen: Wie waren Interventionen skaliert (aus welcher Entfernung wurde interveniert), welche gesellschaftliche oder landschaftliche Eindringtiefe besaßen sie? Zum anderen interessieren die Zeithorizonte von Interventionen: Handelte es sich um ganzheitliche, etwa utopische Gesellschaftsentwürfe oder ad hoc Maßnahmen zwecks Behandlung akuter Problemlagen? Schließlich ist zu fragen, inwieweit ein Konzept von Intervention entwickelt werden kann, das geistes- und sozialwissenschaftliche Überlegungen zum social engineering weiterführt und den Fokus nicht mehr primär auf die Verwaltung des Menschen durch den Menschen, sondern auf das Phänomen geteilter Handlungsträgerschaft von Mensch, Artefakt/Technik und Natur richtet.
Veranstaltet von:
Professur für Kulturgeschichte, Wissens- und Geschlechtergeschichte am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, Marburg/Lahn
Prof. Dr. Claudia Kraft (Universität Wien), Dr. Anna Veronika Wendland (Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft)
Gefördert durch die Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät der Universität Wien