ABGESAGT: INTERAKTIONEN Shapiro-Obermair/Wachter (Wien): „de fac-to“ (32 min, 2018) Rituale von Krieg und Frieden in der westukrainischen Stadt Lwiw. Filmvorführung und Diskussion

19.03.2020

Donnerstag, 19. März 2020, 12:00

Seminarraum 1, Institut für Zeitgeschichte

Universitätscampus, Spitalgasse 2-4/Hof 1, 1090 Wien

Mit dem Ausbruch des bewaffneten Konflikts 2014 flammte in der Ukraine auch der Kampf um die Interpretation und Präsentation von Ereignissen des Zweiten Weltkriegs bzw. das Gedenken an den „Großen Vaterländischen Krieg“ neu auf. Um der Frage nachzugehen, wie ein ukrainisches „Kriegs­museum“ heute aussehen könnte, unternahmen die Historikerin Alexandra Wachter und die Künstlerin Ekaterina Shapiro-Obermayr zwischen August 2015 und Oktober 2017 sieben gemeinsame Forschungs­reisen in die westukrainische Stadt Lwiw. Sie bauten einen Dialog mit ukrainischen, russischen, jüdischen und polnischen Communities auf, führten Interviews mit Expert*innen und Passant*innen, besuchten Museen und Monumente und nahmen an Gedenkveranstaltungen teil.  Erkundet wurde unter anderem, ob durch die Vielzahl an Stimmen ein dialogisches Erinnerungsbild (Assmann: 2007) an die Stelle der für (post)sowjetische Museen typischen Master-Narrative treten kann.

Ein Ergebnis der Recherchen ist der Film „de fac-to“ (2019). Dem Aufbau eines Kalenders folgend, zeigt er jährlich wiederkehrende Gedenkrituale, die von unterschiedlichen politischen, sozialen und ethnischen Gruppierungen begangen werden. Die Aufmerksamkeit gilt dabei der Formensprache und dem per­forma­tiven Charakter der Veranstaltungen. Die Überlagerung mehrerer semantischer Ebenen führt trotz des Ernstes des historischen Hintergrunds immer wieder zu unfreiwilliger situativer Komik. Der Film zeigt die Komplexität des Nebeneinanders konträrer Lebenswelten in einer Stadt.

Ekaterina Shapiro-Obermair (1980, Moskau) ist bildende Künstlerin, Filmemacherin und Kuratorin. Lebt und arbeitet in Wien. www.ekaterina-shapiro-obermair.org

Alexandra Wachter, PhD (University of London) ist Historikerin. Forschungsinteressen: Stadtgeschichte und Architektur („Sowjetmoderne 1955–1991. Unbekannte Geschichten“, gemeinsam herausgegeben mit Katharina Ritter, Ekaterina Shapiro-Obermair und Dietmar Steiner), Geschichte und Trauma, Erinnerungskulturen in Österreich, Russland und der Ukraine sowie Organisationsgeschichte. 2020 erscheint die Publikation „Wasserstraßen. Die Verwaltung von Donau und March 1918–1955“ (gemeinsam herausgegeben mit Bertrand Perz und Gabriele Hackl, Böhlau Verlag).