Dr. Laurin Blecha


Junior Research Fellow


PostDoc-Projekt (Arbeitstitel): "Tango trifft Walzer. Beziehungen zwischen dem Cono Sur und Österreich im Kalten Krieg (1960-1990)"

 

Laurin Blecha ist Historiker mit einem Schwerpunkt auf der Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert und regional fokussiert auf Zentralamerika sowie Argentinien. Seine im März 2021 abgeschlossene Dissertation mit dem Titel Caudillos, mártires y héroes sin fusil. Historiografía y las políticas de la historia en Nicaragua (1979-1996), die er auf Spanisch verfasste, beschäftigte sich mit den Narrativen der offiziellen Geschichtsschreibung und der der Geschichtspolitik in Nicaragua von 1979 bis 1996. Seine Forschungsaufenthalte in Zentralamerika wurden u.a. durch ein Förderungsstipendium des Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung der Republik Österreich sowie das KWA-Stipendium der Universität Wien ermöglicht. Von Oktober 2015 bis Februar 2016 war er DAAD-Stipendiat und Gastwissenschaftler am Ibero-Amerikanischen Institut Preußischer Kulturbesitz in Berlin. An der Universität Wien ist er im Forschungsschwerpunkt Globalgeschichte engagiert. Derzeit bereitet er einen FWF-Antrag vor, der als PostDoc-Projekt fungiert und thematisch die Beziehungen zwischen drei Staaten des Cono Sur (Argentinien, Brasilien und Chile) und Österreich im Kalten Krieg in der Zeit von 1960 bis 1990 untersucht.

Kontakt
Mail: laurin.blecha@univie.ac.at

Curriculum Vitae
Publikationen

 
Forschungsschwerpunkte

  • Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert (Fokus auf Zentralamerika und Argentinien)
  • Globalgeschichte
  • Geschichts- und Erinnerungspolitiken
  • Geschichte der Beziehungen zwischen Österreich und Lateinamerika im 20. Jahrhundert

 

 

Projektskizze

Tango trifft Walzer. Beziehungen zwischen dem Cono Sur und Österreich im Kalten Krieg (1960-1990)

War der Blick innerhalb der zeitgeschichtlichen Forschung zum Kalten Krieg lange auf die Supermächte, USA und Sowjetunion, gerichtet, ist in den letzten zwei Jahrzehnten ein perspektivisches sowie methodisches Umdenken zu erkennen. Besonders seit Odd Arne Westads Buch The Global Cold War. Third World Interventions (2005) muss der Kalte Krieg in seinem globalen Referenzrahmen betrachtet werden, der zur Analyse von dezentralen und gleichzeitig miteinander verflochtenen Ereignissen des 20. Jahrhunderts dient. In diesem Kontext wurden verstärkt den Ländern des Globalen Südens erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet und die Auswirkungen des globalen Systemwettstreits untersucht. Das hier präsentierte Studiendesign „Tango trifft Walzer“ sieht sich jener New Cold War History verpflichtet und richtet den Blick auf die Beziehungen zwischen Österreich und drei Ländern Südamerikas: Argentinien, Brasilien und Chile. Untersucht werden deren unterschiedliche, transatlantische Bezüge und zeithistorischen Schnittstellen zwischen 1960 und 1990.
Diese Studie versteht sich in zweierlei Hinsicht als Korrektiv: Erstens zu dem bis heute hierarchisierenden Blick von Österreich aus auf die Länder Lateinamerikas. Denn die Wahrnehmung der sozialen und politischen Realitäten der Gesellschaften der genannten Länder in Österreich ist immer noch von stereotypen Klischees und Zuschreibungen, bis hin zu Unwissenheit geprägt. Der koloniale und eurozentristische Blick Österreichs auf die Länder und Menschen Lateinamerikas ist teilweise bis in das 20. Jahrhundert ungebrochen und muss in der Untersuchung sowohl erforscht wie auch dekonstruiert werden. Zweitens gilt es die wechselseitigen Beziehungen und Interessen zu untersuchen und nicht nur – wie oft üblich – Österreichs AkteurInnen und Ziele allein in den Mittelpunkt zu stellen und damit erneut künstlich ein Ungleichgewicht zu bestätigen.
Ziel ist, einen Beitrag zur transatlantischen Beziehungen zwischen Österreich und Argentinien, Brasilien sowie Chile nach 1945 zu leisten, der bipolare Sichtweisen sowie hierarisierende analytische Modelle hinter sich lässt. Dementsprechend wird im strukturellen Sinn auch auf gespiegeltes Quellenmaterial aufgebaut, was sich in der Auswahl der Archivgrundlagen zeigt: in allen vier Ländern sollen die jeweils nationalen Bestände untersucht werden. Besonders jene, auf die Fragen der Studie noch kaum untersuchten Bestände in den südamerikanischen Archiven sollen dazu beitragen, die immer noch vorherrschende Dominanz von US-amerikanischen und europäischen Primärquellen zu kontrastieren, um einer dezentralen Perspektive – auch archivalisch – gerecht zu werden.


Förderer: Forschungsverbund Lateinamerika (Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien)