Bericht zum Workshop "Lebensgeschichtliche Interviews als historische Quelle“

 

Im Rahmen des Methodenworkshops „Über den Nationalsozialismus erzählen. Lebensgeschichtliche Interviews als historische Quelle“ besuchten Studierende im Wintersemester 2025/26 einen eintägigen Workshop, den das Institut für Zeitgeschichte (Regina Fritz) in Kooperation mit dem Vienna Wiesenthal Institute (VWI), Stefanie Rauch (The Wiener Holocaust Library, London) und Zoltán Kékesi (University College London) organisierte.

Im Mittelpunkt stand der Bestand „Final Account: The Third Reich Testimonies", einer von dem Filmemacher Luke Holland initiierte und geführte Interviewreihe, die Interviews mit Zeitzeug*innen nationalsozialistischer Herrschaft enthält – darunter Mitläufer*innen, Zuschauer*innen und Profiteur*innen. Die Originalinterviews werden an der The Wiener Holocaust Library in London aufbewahrt; der Bestand ist aber seit Kurzem auch am VWI zugänglich. 

Nach der gemeinsamen Sichtung eines ausgewählten Interviews wurde die Erzählung selbst diskutiert und nach möglichen „Meistererzählungen“ gefragt, die die Selbstdeutung der interviewten Person strukturieren. Zugleich stand die Rolle des Interviewers im Fokus: Die Studierenden analysierten, wie Fragestellungen, Interventionen und die Gesprächsführung die Darstellung mitprägen. Abschließend wurden die methodischen Stärken und Grenzen des Ansatzes in den Fokus genommen und die ethischen wie praktischen Herausforderungen erörtert, die sich ergeben, wenn Interviews mit Profiteur*innen der Verfolgung geführt werden.