Dieses Buchprojekt widmet sich der literarisch-philosophisch-politischen Bewegung der Négritude, die im Paris der Zwischenkriegszeit entstand und sich zu einer Emanzipationsbewegung mit einem weitreichenden Aktions- und Rezeptionsradius entwickelte, der sich über drei Kontinente – Afrika, Europa und Amerika – erstreckte. Das Projekt untersucht den Einfluss der Herrschaftsmechanismen des französischen Kolonialsystems auf die Entstehung der Négritude-Theorie und beleuchtet zugleich die unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Bewegung. Ziel ist, den räumlichen und zeitlichen Kontext der Entstehung der Bewegung so darzustellen, dass die Beweggründe und Ideen der Hauptakteure – Aimé Césaire, Léopold Sédar Senghor, Léon-Gontran Damas und Frantz Fanon – nachvollziehbar und differenziert erläutert werden können. Darüber hinaus bietet das Projekt die Möglichkeit, sich mit den heute oft vernachlässigten afrikanischen und „Schwarzen“ Befreiungsideen auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung ist besonders relevant angesichts der aktuellen internationalen Machtverhältnisse, der Dynamiken der Globalisierung und der Tatsache, dass der Unabhängigkeitsprozess in vielen ehemaligen Kolonien noch nicht vollständig abgeschlossen ist.
Zum Vortragenden
DDr. Amadou Lamine Sarr ist Politikwissenschaftler und Historiker mit Promotionen an der Universität Wien (2000 und 2003). Seine Arbeitsschwerpunkte umfassen Globalgeschichte, afrikanische Nationalismen, Kolonialismus, Dekolonisierung und Postkolonialismus. Als Lehrbeauftragter und Gastdozent war er an zahlreichen internationalen Universitäten tätig und hielt Vorträge zu Themen wie Kolonialgeschichte, Rassismus und politischer Emanzipation.
INTERAKTIONEN – eine Vortragsreihe am Institut für Zeitgeschichte
