Open Letter

Mai 2026

SOLIDARISIERUNG MIT DEN STUDIERENDENPROTESTEN IN SERBIEN

 

Hier finden Sie die aktualisierte Fassung des Offenen Briefes, der die Studierendenproteste in Serbien unterstützt.


Zum Unterzeichnen des Open Letters


Setzen Sie bitte Ihren Namen auf die Liste der Unterzeichner:innen und verbreiten Sie den Link gern an inter/nationale Kolleg:innen weiter!

Ende Juni 2026 möchten wir den Open Letter mit hoffentlich vielen Unterschriften an Regierungsvertreter:innen und die Medien weiterleiten.

 

Weitere Unterstützungsschreiben

Statement von Circle U im Rahmen der europäischen „Universities for Enlightenment“  (u4e: A European initiative for freedom and democracy: 
Universities for Enlightenment express their solidarity with the University of Belgrade on the Protection of Academic Freedom and Institutional Autonomy

Der vollständige Open Letter

 

Seit dem Einsturz des Bahnhofsvordaches in Novi Sad am 1. November 2024 demonstrieren Studierende in Serbien gegen Korruption und für die Aufklärung des Unglücks, das 16 Menschen das Leben gekostet hat. Die Proteste richten sich auch gegen ein autokratisches System, das demokratische Prozesse beschneidet und Wissenschaftsfreiheit und autonome Universitäten in Serbien zunehmend bedroht.

Als Wissenschafter:innen, Studierende und Lehrende verschiedener Universitäten, als Kulturschaffende und Mitarbeiter:innen von Kultureinrichtungen und Netzwerken in Österreich sprechen wir uns gegen die misogyne und gewaltvolle Unterdrückung der Studierendenproteste in Serbien durch das autokratische Regime von Aleksandar Vučić aus. Wir unterstützen den Kampf der Studierenden um Rechtsstaatlichkeit, für funktionierende staatliche Institutionen und ein politisches System, in dem Amtsträger:innen ihre Verantwortung wahrnehmen. Das Vučić-Regime reagiert mit Gewalt, Lügen, medialer Zensur, willkürlichen Verhaftungen und Mord- und Vergewaltigungsdrohungen.

Auch eineinhalb Jahre nach dem Beginn der Studierendenproteste werden unabhängige und regierungskritische Medien und Journalist:innen teils gewaltsam an ihrer Arbeit gehindert. Insbesondere die öffentlichen Universitäten geraten zunehmend unter Druck, während staatliche Ressourcen zu Gunsten privater Universitäten verschoben werden. Die serbische Regierung verletzt durch ihr Vorgehen immer wieder die institutionelle Autonomie der Universitäten und die Freiheit der Medien in Serbien.

Mit ihrem mutigen Protest, der einem abgewirtschafteten korrupten System neue Formen politischer Beteiligung und Entscheidungsfindung entgegenhält, setzen die Studierenden, Wissenschafter:innen, Kulturschaffende und alle, die sich mit dem Protest solidarisieren, ihre eigene Ausbildung und Zukunftschancen, oft ihre berufliche Existenz aufs Spiel. Wir solidarisieren uns daher mit unseren Kolleg:innen an mehreren Dutzend Fakultäten in ganz Serbien, die sich den Protesten der Studierenden angeschlossen haben und sich unter schwierigen, teils existenzbedrohenden Bedingungen für demokratische Veränderungen in Serbien einsetzen.

  

Wir begrüßen die Resolution des Europäischen Parlaments vom 22.10.2025 zu Serbien, in der die staatliche Repression verurteilt und die EU-Kommission dringend aufgefordert wird, einen Kurswechsel in der Haltung zu dem autokratischen System Vučić vorzunehmen. Anfang Mai 2026 hat die EU aufgrund der problematischen Justizreform in Serbien die für das Land im Rahmen eines Sonderhilfsprogramms für sechs Westbalkanländer vorgesehenen Gelder eingefroren.  Wir begrüßen diesen Kurswechsel der EU gegenüber der serbischen Regierung.

Zugleich appellieren wir an die österreichische Regierung, klar Position zu beziehen und
sowohl auf binationaler als auch auf EU-Ebene gezielte Sanktionen gegen diejenigen zu fordern, die für schwere Rechts- und Menschenrechtsverletzungen in Serbien
verantwortlich sind und die Gewalt gegen friedliche Demonstrant:innen angeordnet oder verübt haben. 

Die kritische Öffentlichkeit in Serbien macht immer häufiger auf die intransparente und oft von Korruption geprägten Abläufe in der Vorbereitung der Expo 2027 in Belgrad aufmerksam. Wir fordern die österreichische Regierung und den Regierungskommissär für die EXPO 2027 in Belgrad sowie potenzielle Teilnehmer:innen dringend auf, für die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit in Serbien einzutreten und der Instrumentalisierung der EXPO für die Stabilisierung des autokratischen und korrupten Systems entgegenzutreten oder die Veranstaltung zu boykottieren.

Als Angehörige einer europäischen Universität, als Wissenschafter:innen, Lehrende und Kulturschaffende betrachten wir den Kampf der serbischen Studierenden als elementar für das demokratische Selbstverständnis Europas.

 

Unterstützen Sie mir Ihrer Unterschrift