Österreichische Zeitgeschichte im internationalen Kontext


Dieser Forschungsbereich fokussiert auf der Analyse politischer, ökonomischer, sozialer und kultureller Entwicklungen in der Geschichte Österreichs im langen 20. und 21. Jahrhundert. Dieser Zugang erfordert eine Abkehr von der traditionellen zeitlichen Grenze des Fachs, die im Ersten Weltkrieg eine „Sattelperiode“ sah, die gleichsam den Beginn der Zeitgeschichte markierte. Stattdessen wird das 19. Jahrhundert mit seinen prägenden sozioökonomischen Entwicklungen verstärkt in den Blick genommen und systematisch in die Analyse einbezogen. Weiters umspannt unser zeitlicher Fokus die späte Donaumonarchie und den Übergang zur Ersten Republik, die Geschichte des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus in Österreich sowie jene der Zweiten Republik im globalen Kalten Krieg bis in die unmittelbare Gegenwart. Diese Phasen der österreichischen Zeitgeschichte werden dabei weder zeitlich noch geografisch isoliert betrachtet: Über gängige Periodisierungen hinaus werden Fragen nach Brüchen, Übergängen, Transformationen und Kontinuitäten bzw. die Wirkungs- und Nachgeschichte besonders in den Blick genommen; gleichzeitig wird österreichische Zeitgeschichte als Teil eines europäischen und globalen Entwicklungsprozesses begriffen und durch internationale Vergleiche, Vernetzungs- und Transferanalysen sowie mithilfe postkolonialer Ansätze differenziert betrachtet. Besondere Aufmerksamkeit widmen wir auch Interaktionen und Verflechtungen zwischen Österreich und den anderen Nachfolgestaaten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. 

In unseren aktuellen Projekten legen wir einen Fokus auf oft unterbelichtete Aspekte der österreichischen Politik- und Gesellschaftsgeschichte: die Geschichte sozialer Bewegungen, die Geschichte von Gewalt und Gesellschaft rund um den „Anschluss“ 1938, die Rolle von Sport- und Bewegungskulturen, die Wichtigkeit einer gendersensiblen Perspektive sowie die Stimmen von marginalisierten und oft unterdrückten Personengruppen wie Romn:ja und Sinti:zze, Migrant:innen und Menschen auf der Flucht. Für eine differenzierte Untersuchung und Einordung der österreichischen Zeitgeschichte arbeitet der Forschungsbereich in enger Kooperation mit den anderen Forschungsbereichen des Instituts.

Mit unserem besonderen Fokus auf politische und gesellschaftliche Prozesse sowie der starken Gegenwartsrelevanz unseres Forschungsbereichs geht auch ein gesellschaftlicher Auftrag einher: Wir engagieren uns im Bereich der Public History und arbeiten eng mit Institutionen der Erinnerungskultur und Geschichtsvermittlung, mit Medien, Bildungsinstitutionen sowie mit öffentlichen sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen.

 

Stand 5/2026

 News zum Schwerpunkt

Verleihung des Preises an Oliver Rathkolb

Unter Beteiligung des Instituts durch Monika Bernold, Johanna Gehmacher, Hannes Leidinger, Maria Mesner und Oliver Rathkolb.

Interdisziplinäre Tagung

27.–28. November 2025

Universität Salzburg

Rudolfskai 42

5020 Salzburg