Forging Wartime Biopolitics: Militarized Refugees’ Bodies and Environments in WWI Eastern Europe

Kriegsflüchtling aus den polnischen Gebieten, 1915 (Nationales Digitalarchiv, Warschau)

Projektleitung: Kerstin von Lingen
Projektmitarbeiterin:
Liana Popa, Magdalena Hyllus
Projektpartner:
Dr. Oksana Nagornaia (Humbolt Universität Brüssel), Dr. Kamil Ruszała
Finanzierung:
FWF (PIN5060524: WEAVE)
Laufzeit:
1.1.2026 – 31.12.2028
Projekthomepage

 

Das im Rahmen des europäischen WEAVE-Programms geförderte trilaterale Projekt (Kooperation Wien, Berlin und Krakau) beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Militäraktionen auf die Umwelt und die Lebenswelten der Bevölkerung während des Ersten Weltkriegs, mit einem besonderen Fokus auf kriegsbedingte Vertreibung im östlichen Europa. Die Forschung konzentriert sich auf die habsburgischen Regionen Galizien und Bukowina, Kongresspolen und die rumänische Walachei als ausgewählte Landschaften. Verstanden werden darunter natürliche, anthropogene und ethnisch definierte Landschaften aus der Sicht der Militärmächte Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland. Im Zentrum der Untersuchung steht das Bild individueller und politischer Körper inmitten zusammenbrechender Imperien, der Einfluss der Biopolitik, der Militärmedizin und ihrer kolonialen Praktiken, sowie geschlechtsspezifische Erfahrungen von Krieg und Flucht innerhalb der grenzübergreifenden (imperialen) Migrationsregime, wobei die Umwelt als aktiver Teil der Kriegführung verstanden wird, indem die Lebensumstände der Flüchtenden dadurch deutlich verschlechtert wurden.

Das Projekt verbindet erstmals die Geschichte der Massenvertreibung mit der Medizin- und Umweltgeschichte, thematisiert kriegsbedingte Zerstörung von Lebensraum und dessen langfristige Folgen, und berücksichtigt grenzübergreifende Akteure und Einflüsse. Es eröffnet neue Felder für das Verständnis von Migrationskrisen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart, indem es die institutionellen Reaktionen und menschliche Resilienz im historischen Kontext sowie daraus abgeleitet für nachfolgende Kriege problematisiert. Das Innovationspotenzial liegt in der Gewinnung umfassender Erkenntnisse der „Konfliktlandschaften“ Osteuropas und ihrer kriegsbedingten Zerstörung im ersten Weltkrieg durch Massendaten-Analyse und GIS-Kartierung. Auf diese Weise wird ein neuartiges, multidimensionales Verständnis der komplexen Geschichte der umweltbezogenen Ereignisse an der Ostfront während des Ersten Weltkriegs sichtbar. Die Untersuchung der Umweltgeschichte der Ostfront aus der Perspektive von Kriegsflüchtlingen unter Berücksichtigung von Geschlecht, Körper und Visualisierung bietet der Forschung zum Ersten Weltkrieg etwas wirklich Neues.